
Voriges Jahr konnten wir an dieser Stelle berichten, dass Gertraud Herold geb. Kranner, eine Pionierin der österreichischen Anästhesie ihren hundertsten Geburtstag feierte. Nun ist Sie am 3.Mai 2026 im Kreise ihrer Familie von uns gegangen. Schon als Absolventin des Realgymnasiums Rahlgasse hatte Sie Ihren Beitrag zu den Anstrengungen des 2.Weltkriegs zu leisten, kam dadurch früh mit der Technik in Berührung, wobei sie allerdings bei der Reparatur eines Funkgerätes das Endglied eines Daumens verlor. Solche Verletzungen haben auch schon andere junge Mediziner gehindert, Chirugen/innen zu werden, aber sie haben auch dem damals jungen technischen Fach Anästhesiologie geschickte Mitglieder beschert. Dieses stellte auch für Gertraud, die 1951 in Wien promoviert wurde, eine Gelegenheit zur innovativen Berufswahl dar, nachdem Otto Mayrhofer 1952 die Möglichkeit einer diesbezüglichen Fachausbildung geschaffen hatte. Nach Ergänzung ihrer Kompetenzen in Basel und London erlangte sie die Facharztqualifikation und nahm 1959 eine Stelle am Krankenhaus Mistelbach an. Der Weg dorthin führten sie auch wie die Chirurgen Otto Bsteh und Ernst Schima, die von der Wiener chirurgischen Universitätsklinik kamen und nicht nur prominente Fachvertreter waren, sondern den neuen Strömungen wie Notfallmedizin, Blutbankwesen und Intensivtherapie im eigenen Interesse sehr aufgeschlossen waren in dieses renommierte niederösterreichische Krankenhaus. Selbstverständlich wurde Gertraud Herold Mitglied der österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie und Reanimation, wie diese damals hieß und war, als sie in Mistelbach 1974 Primaria wurde, eine der wenigen weiblichen Mitglieder dieser Zunft, der Gründungsvorstand war ja 1951 eine reine Männergesellschaft gewesen. Also eröffnete sie 1973 ein Intensivzimmer sowie eine Blutbank, die der vielbeschäftigten Unfallabteilung zugutekam. Nach zahllosen Einsätzen der Notfallwägen wurde sie zur Kolonnenführerin des Roten Kreuzes ernannt. Nach dem Übertritt in den Ruhestand 1990 ernannte die ÖGARI Gertraud Herold zu ihrem Ehrenmitglied. Diese Gesellschaft wird ihrer Vorkämpferin stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Wien im Mai 2026 Franz X.Lackner
Hier das Interview zum Download:
Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink ist neuer Präsident der Ögari
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Geboren in Wien am 2.11.1920 absolviert Mayrhofer das humanistische Gymnasium in Baden.
Pomotion zum Dr.med. 1944 in Wien, sodann am AKH Ausbildung an der Internen, der Chirurgie und der Pathologie.
Auslandsaufenthalte 1947 in England und 1949 an der Columbia University in New York unter Virginia Apgar und Manny Papper, abgeschlossen mit der Fellowship des American College of Anesthesia, später erlangte er auch die Fellowship des Royal College in England.
Am 19. September 1951 wird Mayrhofer im Hörsaal der 2. Chir. Klinik zum ersten Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie gewählt, 1955 als erster Dozent für Anästhesiologie an der Universität Wien habilitiert, 1961 Vorstand des neugeschaffenen Institutes für Anästhesiologie welches 1978 am AKH unter Einbeziehung der Intensivmedizin Klinikstatus erlangte.

Otto Mayrhofer, Aufnahme von 1974
Mayrhofer begründete mit Frey und Hügin die erste deutschsprachige Fachzeitschrift „Der Anästhesist“ und gab 1955 das Lehrbuch der Anästhesiologie im Springer-Verlag heraus.
Nach Mitwirkung bei der Gründung der World Federation of Anaesthesia wurde er 1964 Sekretär und 1971-76 Präsident dieser Gesellschaft. Fachlich hatte er als einer der Ersten 1951 auch unter Einsatz von Selbstversuchen Succinylcholin (Lysthenon) zur Zulassung verholfen. Mayrhofer übte zahlreiche Funktionen aus, so war er lange Jahre Präsident der Wiener Medizinischen Akademie und Vizedekan der medizinischen Fakultät.
Seine sonstigen Funktionen, Ehrendoktorate und Veröffentlichungen sind zu zahlreich, um hier aufgezählt werden zu können.
Vor seiner Emeritierung 1991 war Mayrhofer in die Planung des neuen Wiener AKH intensiv eingebunden und konnte im experimentellen und intensivmedizinischen Bereich dem Fache zahlreiche Wirkungsstätten sichern.
Mayrhofer war bis zu seinem Tod am 21. Juni 2024 mit seiner Gesellschaft, seinem Kind wie er sich ausdrückte, eng verbunden, diese wird das Andenken ihres Gründers stets in Ehren halten.
FX Lackner, 5.7.24